ÜBER KONTROLLE

Vielleicht kennt ihr das auch.

 

Ihr fühlt euch nicht wohl, nehmt irgendwelche Symptome wahr, und das Erste was ihr macht, ist diese zu "googlen" um zu schauen, was es denn sein könnte.

 

Tja, "Dr. Google" gab mir bei meinen Symptomen noch 6 Monate zu leben, so daß ich einen richtigen Arzt aufsuchte, welcher mich tatsächlich direkt ins Krankenhaus überwies.

 

Allerdings war die Diagnose des "richtigen" Arztes eine völlig andere.

 

Ich kam in das Krankenhaus mit einem mulmigen Gefühl...


Irgendwann vor zwei Monaten schmerzte der Bauch auf der rechten Seite unerträglich.

Dr. Google meinte ich hätte Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Heute weiß ich : Das war eine Gallenkolik.

 

Da dieses noch dreimal geschah und andere Organe sich entzündeten,

ist sie nun also entfernt worden.

Doch die Geschichte, die ich euch heute erzähle, handelt weniger von meiner OP, sondern von den Ereignissen, welche ich bei meinem Aufenthalt im Krankenhaus erlebte, und welche mir die Augen auf das Leben öffneten.


Ihr könnt euch vorstellen, das ein Krankenhausaufenthalt generell kein freudiger Moment ist.

 

Klar hatte ich die Hoffnung, dass ich meine Schmerzen, welche mich seit zwei Monaten quälten endlich los bin, aber allein der Blick in das Krankenzimmer sorgt dafür, das ich hier schnell wieder raus wollte, und das obwohl ich mit dem Privileg eines Privatpatienten sicherlich noch eines der Schöneren bekam - zudem wurde es mit maximal zwei Personen belegt.

 

Ich wurde direkt nach der Einweisung morgens um 07:00 Uhr in den OP geschoben und wachte gegen 11:00 Uhr auf. Ich war erstaunlich fit und wurde direkt aufs Zimmer gerollt, wo ich meinen "Leidensgenossen" auf dem Zimmer kennenlernte. 

 

Er wurde bereits am Vortag an der Schilddrüse operiert, wo ein Kropf entfernt wurde. Ein älterer Herr, zunächst zurückhaltend aber dann auftauend unterhielten wir uns angeregt über das Leben und ich schlief früh am Abend ein.


Am nächsten Morgen erscheint der Facharzt zur Visite. Er setzte sich neben den älteren Herren und sprach frei heraus : "Leider haben wir heute morgen vom Labor erfahren, das sie Schilddrüsenkrebs haben. Sie werden morgen erneut operiert."

 

Ich werde die Gesichter und die Stimmung nie vergessen. Nach einiger Zeit wurde der weitere Weg der OP besprochen. Den ganzen Tag über schaute er nun teilnahmslos an die Decke und es war schwer für mich die richtigen Worte zu finden. Manchmal gelang es mir, aber es war für uns beide eine unruhige Nacht.

 

Am nächsten Tag wurde er zur OP geholt und ich habe seitdem nichts gehört, da mein Zimmer mit einem neuen Patienten belegt wurde.


Dieser junge Mann hat einen Leistenbruch.

 

Als er Mittags zur OP abgeholt wurde, wünschte ich ihm viel Glück. Ich glaub Zimmerkollegen und Leidensgenossen machen das so.

 

Am Nachmittag kam die Krankenschwester und packte seine Sachen !

 

Ich fragte, was denn los sei und sie sagte : " Es gab Komplikationen. Er liegt auf der Intensivstation. Mehr darf ich ihnen leider nicht sagen.", und verließ den Raum, in welchem ich den Abend und die Nacht nun allein verbrachte.

 


Folgende Fragen kamen mir in den Kopf :

Bei welchen Menschen läuft alles gut und bei welchen nicht ?

Wer entscheidet das ?

Ist es das Schicksal ?

Zu wieviel Prozent kann ich das Schicksal beeinflussen ?

Soll ich fortan ein Leben in Sorge leben ?

Mich auf das Schicksal vorbereiten ?

 

BLÖDSINN !

Ich denke die Kunst ist es, die Realität dann zu akzeptieren.

Nicht nur wenn alles rosarot ist, sondern besonders wenn es mal anders kommt als man denkt !

 

Mir wurde heute sonnenklar DANKBARER zu sein und weniger in Sorge zu leben !

 

Ich bin vom Glück geküsst und da ist Dankbarkeit das einzig angemessene Lebensgefühl !

 


RALF GALKE

HINTERM REIHERHOLZ 13

27798 HUDE 

 

RALF@GEDANKENLOTSE.DE