ÜBER SELTSAME PASSAGIERE

Stellt euch einmal folgende Situation vor :

Ihr steigt abends ins Flugzeug in Frankfurt ein und setzt euch auf euren Platz. Fensterplatz natürlich, denn wie schön ist es, die beleuchteten Städte unter euch während des Fluges zu sehen.  

Nach einer kurzen Zeit steht ein Mann neben Euch im Gang : Geschätzt Mitte 30, dunkler Teint, langer Bart, hervorstehenden Augen, wirre Haare, wirrer Blick, scheint aus dem vorderen Orient zu stammen, kurzum : TERRORIST !

 

Keine Ahnung wo mein Gehirn auf einmal dieses Vorurteil hernimmt, aber er passt halt genau in das Schema der „bösen Menschen „ in der Tagesschau...


Tja, dieser Mann macht auf einmal einen Schritt nach rechts und setzt sich genau neben mich,dabei umklammert er fest seinen viel zu großen Armeerucksack !

 

Wie ist er mit dem Teil durch die Handgepäckkontrolle gekommen ???

 

Sein Blick bleibt teilnahmslos nach vorne gerichtet, so als hätte er Angst vor etwas und bewegt dabei seine Lippen leicht, als ob er mit sich selbst spricht.

 

Moment, betet er vielleicht ?

Machen das Muslime nicht immer so ?

Warum macht er das jetzt ?


Der dritte in unserer Reihe wird ein Flugkapitän auf dem Weg nach Hause. Er trägt ein Ausweisband um den Hals und ich lese „Lufthansa Verkehrsfliegerschule“. Ich nutze die Chance und sage zu ihm „Hey, ein Lotse und ein Pilot in einer Reihe - auch selten“. Er erwidert „Ach sagen sie bloß sie arbeiten bei Bremen Radar ?“

So ergab sich ein kurzes Gespräch.

Ich suche Verbündete !

 

Der Mann zwischen uns starrt weiterhin mit großen Augen nach vorn und umklammert seinen Rucksack. 

 

Als der Pilot in unserer Reihe ihn anweist, er müsse sein Gepäck unter den Vordersitz verstauen reagiert er zunächst nicht. Erst nach der dritten Aufforderung leistet er folge, und spielt fortan mit seinem uralten Smartphone in der Hand .. an .. aus .. an .. aus .. an ..aus  und dabei den Blick immer starr nach vorne gerichtet, und immer noch mit sich selbst im leisen Monlog !

 

Na super denke ich. Das ist bestimmt der Zünder für die Bombe im Rucksack !


Ich starre aus dem Fenster, als wir abheben. Immer wieder schiele ich auf das Handy des Nachbarn und warte nur, dass er irgendwann irgendetwas ruft, und dabei frage ich mich warum ich so denke.

 

Ich bemerke, die ersten Schweißtropfen auf der Stirn meines Nachbarn wie sie herunterrollen und überlege wie ich ihm im Falle des Falles am schnellsten das Handy entreissen könnte. Das ist doch irre !

 

„Komm Ralf, wenn du Angst hast, werd aktiv !“, sag ich zu mir !

 

Ich nehme meine kleine Tüte Kartoffelchips, welche mir die Stewardess beim Einchecken gegeben hat, und biete sie meinem Nachbarn an : „Möchten sie diese haben ?“ .. keine Reaktion ... „Do you want to have those ?“ .. keine Reaktion, nicht einmal ein Blick !

 

Ich beherrsche keine weitere Sprache und tippe ihn an .. keine Reaktion … ahhhhhhhhhhhhhh.


Die Stewardess erscheinend fragt was ich trinken möchte :

„Tee bitte.“, sage ich.

 

Als sie den Mann in der Mitte fragt, bekommt sie keine Antwort.

Er schaut sie nicht einmal an, sonder schaut mit weit aufgerissenen Augen weiterhin nach vorne.

 

„Geht es ihnen gut ?“, fragt die Stewardess .. keine Reaktion. „Sprechen sie deutsch ?“ .. keine Reaktion …

„Are you okay ?“ .. keine Reaktion …

 

Die Stewardess schaut mich an, ich zucke mit den Schultern.

 

Plötzlich schaut der Mann sie an und zeigt auf das Wasser ! ... „Do you want water ?“ .. keine Reaktion... Sie schenkt ihm ein halbes Glas Wasser ein und reicht es ihm.

Er nimmt es an, und hält es fortan zusammen mit seinem Smartphone in den Händen zwischen den Beinen. Ich frage auch :“Are you okay ?“ .. keine Antwort, kein Blick !

 

Er wird den Becher nun ca. zehn mal zum Mund führen aber nie einen Schluck trinken!!!!

Die Stewardess rollt den Wagen zurück und schaut meinen Nachbarn sehr kritisch an.

Dabei hat sie auch Augenkontakt mit dem Piloten in unserer Reihe.

Dieser hat sich einen Tomatensaft bestellt.

 

Ich spreche ihn an und sage : „Piloten trinken im Flug auch Tomatensaft ?“, dabei zwinkere ich kopfnickend in Richtung unseres Sitznachbarn. „Er sagt : Klar, gehört dazu“ … dann sagt er : “Ja, schon sehr auffällig, aber wir haben ihn im Blick“.

 

Ich denke : Wir ? Wen meint er ? Ihn und die Stewardess ? Ihn und sein SWAT Team ? 


Die Stewardess räumt die leeren Becher ab .. naja der unseres Nachbarn ist weiterhin gefüllt.

Als er den Becher abgibt, steckt er auch das Handy ein ! Puh, beruhigt mich irgendwie !

 

Nun sind wir fertig zur Landung und was macht mein Sitznachbar ? 

Er öffnet seinen Gurt und lässt ihn offen auf dem Schoss liegen !!!

Ahh was soll den das jetzt ??? Steht er gleich auf ???

 

Da macht er den Gurt wieder zu, und wieder auf, wieder zu und wieder auf, wieder zu, ... streckt die Hände offen vor sich und murmelt wieder !

 

Aaaaaahhhhhhhh.


Die Landung nach 45 Minuten Flug !

Gott sei Dank !

Obwohl Gott ? Seit wann bin ich so gläubig ?

Das Flugzeug rollt in seine Parkposition, und mein „Freund“ neben mir springt auf und umklammert seinen Rucksack !

„Ruhig“ sagt der Pilot neben ihm ..“das wird noch dauern“.

Später läuft er schnell aus dem Flugzeug.

Ich sehe ihn am Airport nicht wieder.


Ich bin völlig platt von dem Flug, habe schweißnasse Hände, fing zwischendurch an Familienfotos auf meinem Handy zu schauen, hatte nachgedacht, ob ich sie je wiedersehen werde und frage mich heute Tage später, ob diese Reaktion noch normal ist.

 

Ja ist sie, denn es war eine Ausnahmesituation in dem Moment für mich !

 

Dieser Mensch war mich Sicherheit verwirrt oder geistesgestört. Wo ist da überhaupt der Unterschied. Er hat mich nie direkt angesehen. Er wiederholte kurzfristig immer wieder Dinge, wie das Ein- und Ausschalten des Handys, das Öffnen und Schliessen des Gurtes, ein kurzes Aufstehen und Hinsetzen, das An- und Absetzen des Bechers. Diese alles deutet für mich auf eine psychische Erkrankung hin. 

 

Das alles gepaart mit sämtlichen Vorurteilen aufgrund seiner Optik, welche ich durch die Medien zwar eingeimpft bekomme, aber immer wieder hinterfrage. Hier kam irgendwie alles zusammen. Und das im Flugzeug, eingeengt in einer schier aussichtslosen Situation !

 

Ich bin mir noch nicht sicher, welche Rückschlüsse ich aus meinem Verhalten ziehen sollte.

Hätte ich auch so reagiert, wenn er anders ausgesehen hätte ?

 

Was machen die Medien mit mir, oder haben es diese Unmenschen bereits geschafft uns derart durch ihre immer wiederkehrenden Attacken in unserer Freiheit einzuschränken ?

 

Es war eine Erfahrung, aus der ich wiederum etwas lerne, zu den Themen Kontrolle und Gelassenheit.

 

Danke fürs Lesen !


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Kommentare: 3
  • #1

    Sigi (Sonntag, 31 Dezember 2017 01:52)

    Hallo Ralf.
    Sowas ähnliches ging mir neulich auch durch den Kopf als ich in der Nordwestbahn auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt war. Ein adretter Mann mit südlichem Aussehen und gestutztem Bart setzte sich neben mich und wir kamen in ein sehr interessantes Gespräch. Er kam aus der Türkei und war beruflich weltweit unterwegs. Ich kannte die Firma und wusste ein ganz bisschen über das Geschäft. Er zeigte mit noch Bilder von seiner Tochter und seinem Geländefahrrad.
    Alles super soweit... auch, dass er sich, so undeutsch, offen mit fremden Sitznachbarn unterhält... fand ich prima - mach ich auch manchmal...

    Und dann war da sein Rucksack....auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt....

    Wir sind dann noch ein Stück zusammen gegangen und haben uns weiter unterhalten. Bis er sich den Schuh binden musste und sich unsere Wege trennten.

    Warum ich so ausschweife? Weil doch eigentlich alles super nett war... Bis auf den Rucksack eines Südländers auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt...

    Meine Gedanken: Ach wie nett ... Was will der mit so einem Rucksack auf dem Weihnachtsmarkt?...Saaag mal, geht's noch??...Schäm dich...Aber dieser Rucksack...auf dem Bildschirm ist bestimmt seine Tochter...warum zeigt er mir das?...Haaalllloooo - Der will sich nur unterhalten...und der Rucksack???... ach, wenn ich dran bin, bin ich dran...

    Und am Ende hab ich mich geschämt und war wütend, dass ich mich so subtil manipulieren lasse von Medien und Politik.
    Und ich musste an das Foto meiner Einschulungsklasse in NY denken, das so multikulti war und ich damals n Sch... auf Herkunft und Rucksäcke gegeben habe.
    Wir sollten mehr mit dem Herzen sehen...........


  • #2

    Sigi (Sonntag, 31 Dezember 2017 01:57)

    Übrigens hat dein Sitznachbar vielleicht nur eine Sch... Angst vorm Fliegen gehabt - musste aber dringend zu einem vielleicht sterbenden Familienmitglied und er hat die ganze gebetet, dass er rechtzeitig ankommt.
    Aber ich kann dich gut verstehen - und dabei bist du doch auch so ein Berufsoptimist ��

  • #3

    Ralf (Dienstag, 02 Januar 2018 00:00)

    Vielen Dank für deine Geschichte Sigi !

    Das Zitat erinnert mich sehr an die Aussage des kleinen Prinzen : "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

    Hab ein gutes, gesundes neues Jahr !

MEINE LINKS ZU DEN SOZIALEN MEDIEN. FOLGE MIR GERNE.

BEDENKE : KLICKST DU DRAUF, TEILST DU DATEN ! LOGISCH, ODER ? ENTSCHEIDE SELBST.